| Kölnische Rundschau
| 31/1.08.2004
Zwei Künstler gründen spezielles Label für Elektro-Musik
von Dieter Wolf.
| Köln Der Künstler Walter Dahn, Professor an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig und der Musiker Dieter Hoff, Autor vieler deutschsprachiger Hits, gründeten ein Label für elektronische Musik:
Farbe 1. Mit „Honig und Dreck“ von Walter Dahn erschien nun das dritte Produkt auf diesem Label. Moderne Unterhaltungsmusik könnte man sagen...
Dieter Wolf sprach mit den Plattenbossen.
| Frage Wie fühlt man sich als Plattenboss?
| Dahn Wir verstehen uns nicht als Bosse.
| Hoff Ich schon. (grinst).
| Dahn Wir wollen ein Forum für ambitionierte Musik bieten. Mit einem eigenen Label haben wir bessere Möglichkeiten dazu. Wir haben von der Aufnahme bis zur Covergestaltung alles künstlerisch in der Hand.
| Frage Dieter Hoff, Sie betreiben seit Jahren das Label „Tonsport“. Warum jetzt ein weiteres Label für elektronische Musik. Brauchen Sie unbedingt einen zweiten Chef?
| Hoff Wir kamen über die Musik ins Gespräch und haben uns auf Anhieb gut verstanden. So entwickelte sich die Idee, neben einem Label für „Techno- und House-Musik“ noch ein Unterlabel speziell für „Elektro“ zu gründen.
| Frage Und jetzt bringen Sie Ihren Bekanntenkreis dort unter?
| Dahn Ja und Nein. Natürlich kennen wir die Musiker gut. Doch wir sind von der Qualität der Musik überzeugt, sonst würden wir die finanziellen Risiken nicht eingehen. Die ersten beiden Produktionen mit „Electro Atomu“ und „Cartoonfish“ sind Beispiele dafür.
| Hoff Was die finanzielle Seite des Unterfangens betrifft, hält uns ohnehin jeder für bekloppt.
| Frage Warum hat es nahezu 20 Jahre bis zu einem neuen Musikwerk von Walter Dahn gedauert?
| Dahn Ich habe nie aufgehört, Musik zu machen. Nach meinem Start mit „Die Partei“ im Jahr 1981, kam 1984 „Die Hornissen“, 1991 „#9 Dream“ mit Helmut Zerlett und später auch ein Auftritt beim Jazz-Festival in Montreux. Doch mit so einer Musik steht man ziemlich allein da.
| Frage Ist es so schwer, in Deutschland gute Musik zu machen?
| Dahn Wir haben eben keine echte Musiktradition in Deutschland. Alles was hier gemacht wird, sind angloamerikanische Adaptionen. Das geht von Udo Lindenberg bis zu HipHop. Das erste Eigenständige, worauf wir uns als deutsche Musiker berufen können, war die Elektomusik wie sie Kraftwerk und Can vormachten.
| Frage Sie haben doch nicht immer Kraftwerk gehört?
| Dahn Nee, natürlich bin ich mit Beatles, Beach Boys, Kinks oder Joni Mitchell aufgewachsen. Später kamen dann John Cale, Steve Reich und Terry Riley dazu.
| Frage Was sagen eigentlich die Künstlerkollegen, dass Walter Dahn immer noch jungenhaft Musik macht?
| Dahn Die finden das gut. Rosemarie Trockel hört sogar meine Musik. Andere, wie Marcus und Albert Oehlen, haben das doch auch gemacht.
| Frage Wird der andere Chef Dieter Hoff bei Farbe 1 gleichfalls veröffentlichen?
| Hoff Nein, da ich House mache, veröffentliche ich weiter in der Abteilung Tonsport. Demnächst kommt auch meine erste Soloplatte Patsch heraus, natürlich unter meinem Pseudonym Freitag. Ich brauche dringend auch eine eigene Platte, schließlich muss ich Geld verdienen. Ich hab´ mich gerade verlobt.
| Frage Sie erreichen jetzt beide die „50“. Ist es nicht albern, so „junge Musik“ zu machen?
| Dahn Das ist ja gerade das Tolle bei Elektro. Da kannst du noch in höherem Alter würdevoll vor Publikum musizieren, ohne wie Mick Jagger `rumturnen zu müssen.
| > www.rundschau-online.de
|